THF entwickeln

Das Entwicklungskonzept

Ein zentraler Baustein der THF-Planung ist das Entwicklungskonzept, das den strukturierten Rahmen für die Entwicklung der Liegenschaft bildet. 2025 startete der Prozess zur Erarbeitung dieses Konzeptes mit ersten Workshops: Neben einem zweitägigen Kick-off-Workshop befasste sich der erste inhaltliche Workshop mit den zentralen Bauteilen, dem Ehrenhof, der Haupthalle sowie dem überdachten Vorfeld und den räumlichen Verknüpfungen dieser Teilbereiche. Im Mittelpunkt stand die Öffnungsidee: Wie lässt sich die historische Achse vom Stadtraum über den Ehrenhof durch die Haupthalle bis ins Vorfeld als öffentlich zugängliche, klar lesbare Raumsequenz stärken und neu interpretieren?

Gemeinsam mit renommierten, internationalen Expert:innen aller Disziplinen werden bei der Erarbeitung des Entwicklungskonzeptes Themen wie Nachhaltigkeit, Denkmalschutz, Verkehr, Logistik und Mobilität, Außenraum und Aktivierungsstrategien, sowie die Erschließung und (technische) Infrastruktur betrachtet. Dabei geht es nicht nur um die Verzahnung aller relevanten Fachbereiche und die Berücksichtigung verschiedener Maßstäbe von der Stadtentwicklung bis zur architektonischen Befassung, sondern auch um konkrete kurz-, mittel- und langfristige Maßnahmen, deren Priorisierung und klar definierte Schritte für die Umsetzung. Der Prozess erreicht in 2026 seine Hochphase, bevor er 2027 abgeschlossen sein wird. Ergebnis wird ein Rahmenregelwerk sein, das für die weitere Entwicklung der unterschiedlichen Bauteile eine politisch abgesicherte, strategisch konsolidierte und finanziell belastbare Grundlage bildet und das mittel- und langfristig einen wirtschaftlich tragfähigen Betrieb des Denkmals sicherstellt.

Da in der Regel alle geplanten Entwicklungen rund um den Flughafen eine hohe politische und öffentliche Aufmerksamkeit erfahren und sich daraus auch ein erheblicher Kommunikationsbedarf für die Erarbeitung des Entwicklungskonzeptes ergibt, hat die Tempelhof Projekt GmbH Ende 2025 eine Kommunikationsstrategie entwickelt, die den Prozess begleiten wird. Wichtige Meilensteine werden die Immobilienmesse MIPIM im März 2026 in Cannes sein sowie ein Infomarkt im Sommer 2026, in dem das Projekt einer breiten Öffentlichkeit vorgestellt. Im Anschluss wird eine Ausstellung im Besucherzentrum CHECK-IN dauerhaft über das Projekt und seine Weiterentwicklung informieren.

Wie genau das Projekt gestaltet ist, wer daran mitwirkt und wie das Ergebnis aussieht, erklärt Ihnen Edith Wunsch, Leiterin des Geschäftsfelds Liegenschaft.

Das Sanierungskonzept

Das Sanierungskonzept als weiterer Baustein der THF-Planung befasst sich mit der Sanierung der Gebäude auf der Liegenschaft. Das Ziel des Konzeptes ist es, bauliche Sanierungsziele und -standards für eine nachhaltige und ressourcenschonende Entwicklung der verschiedenen Gebäudetypen und Elemente des Bestands zu erarbeiten. 

Hauptthemen des Sanierungskonzeptes sind unter anderem die Betrachtung von Brandschutz und Bestandsschutz, die energetische Ertüchtigung mit Schwerpunkt auf Nachhaltigkeit und Zirkularität, die Integration der denkmalpflegerischen Zielsetzungen und Nutzungszielen aus dem Entwicklungskonzept sowie die Erarbeitung eines übergreifenden Konzepts zur Barrierefreiheit. 

In Pilotprojekten und Testbereichen sollen prototypisch Sanierungsstandards umgesetzt werden. Dabei spielt ein interdisziplinärer Planungsansatz eine wesentliche Rolle: Im Projektaufsatz wurde die Lebenszyklusanalyse als Entwurfsmittel und Bewertungssystem von Variantenbetrachtungen eingeführt, um Emissionen und Investitionen baulicher Maßnahmen mit Einsparungen im späteren Betrieb abzuwägen. Ziel ist es, so ökologisch sinnvolle und wirtschaftlich tragfähige Ertüchtigungsvarianten zu ermitteln. 

Die Technische Infrastruktur

Eines der beiden Rückgratprojekte zur Sanierung des THF ist das Projekt „TI 2030“. Es stellt das zentrale und übergeordnete Projekt zur Transformation des Gebäudes im Sinne der Betriebssicherheit, der Nachhaltigkeit und des Klimaschutzes dar. Mit ihm hat das Flughafengebäude die Möglichkeit, in den nächsten Jahren schrittweise nahezu klimaneutral zu werden. Dafür ist eine komplette Erneuerung der überwiegend 90-jährigen technischen Infrastruktur im und am Gebäude notwendig, sprich die Sanierung aller zentralen Anlagen für die Wärme- und Kälteversorgung, Lüftung, Stromversorgung, Telekommunikation sowie die Regenwassernutzung. Die Erneuerung ist zudem die notwendige Voraussetzung für alle weiteren Sanierungsmaßnahmen, insbesondere der Bauteil- und (Büro-)Flächensanierung. 

Teilprojekte sind dabei die stoffliche Ver- und Entsorgung, also beispielsweise eine Versickerung statt der Ableitung von Regenwasser, die energetische Versorgung, etwa die Stromerzeugung mittels Photovoltaik oder der Heizungsbetrieb aus der Rückgewinnung der im Abwasser enthaltenen Abwärme, sowie             die Herstellung einer modernen Technik für IT und Kommunikation bis hin zur Gebäudeautomation.

Die Erstellung und Prüfung des Bedarfsprogramms sowie die Grundlagenermittlung sind abgeschlossen. 2023 erfolgte die Bestätigung der baufachlichen Voraussetzungen, sodass 2024 die Entwurfsplanung beginnen konnte. 2025 arbeitete die Gesellschaft daran, die Bauplanungsunterlage zu erstellen. Ziel ist, diese in 2027 zur Prüfung einzureichen.

Sanierung und Ertüchtigung des Stahltragwerks

Das Stahltragwerk des Flugsteigs und der Hangars bilden das 1,2 Kilometer lange Halbrund des Flughafens zwischen Kopfbauten West und Ost, an die mittig das Bauteil B mit der Haupthalle anschließt. Das Tragwerk ist eine ingenieurtechnische Meisterleistung seiner Zeit und Besonderheit des Gebäudeensembles. Sein hoher Denkmalwert steht außer Frage.

Das Haupttragwerk, dessen Stahlrahmenkonstruktion aus 15 Meter hohen Hauptstützen, den in der Fensterfassade integrierten rückwärtigen Stützen sowie den insgesamt 40 Meter auskragenden Bindern besteht, spannt einen weitreichenden freien Raum auf, der eine vielseitige Nutzung ermöglicht. Um es dafür auch zukünftig fit zu machen, muss das Stahltragwerk umfassend saniert und für neue Nutzungen ertüchtigt werden. Dieses Projekt stellt das zweite Rückgratprojekt im Zuge der Sanierung des THF dar.

2025 hat die Tempelhof Projekt GmbH das Vergabeverfahren abgeschlossen und einen entsprechenden Planungsauftrag erteilt, der sich im ersten Abschnitt mit dem 380 Meter langen Flugsteig befasst. Hier wurde Ende 2025 mit der umfassende Schadens- und Bestandserkundung des Stahltragwerkes begonnen, die die Grundlage für die Variantenuntersuchung und spätere Ausarbeitung der konkreten Planungsvariante für die Sanierung und Ertüchtigung dieser einmaligen Stahlkonstruktion bildet. 

Erfahren Sie von der Projektleiterin und Bauingenieurin Clara Scheer mehr über das spektakuläre Stahltragwerk, welche Schäden es aufweist und wie genau es ertüchtigt und saniert werden muss.

Erfahren Sie von der Projektleiterin und Bauingenieurin Clara Scheer mehr über das spektakuläre Stahltragwerk, welche Schäden es aufweist und wie genau es ertüchtigt und saniert werden muss.

Eine Machbarkeitsstudie zur Sanierung der Hangarhüllen

Die sieben Hangars sowie die zugehörigen Bauteile bilden das Rückgrat des Flughafengebäudes. Doch auch sie sind sanierungsbedürftig. Ende 2023 startete die Tempelhof Projekt GmbH eine Machbarkeitsstudie für die Sanierung der Hangarhüllen. Ziel der Studie ist es, Nutzungsszenarien für die Hangars und deren Bedarfe zu ermitteln, ein Sanierungskonzept unter der Berücksichtigung von Klimaschutz, Nachhaltigkeit, Denkmalschutz und Wirtschaftlichkeit zu erstellen, die Kosten der Instandsetzung und Sanierung zu ermitteln, sowie auch konkrete Maßnahmenpakete und weitere Schritte zu erarbeiten.  

Stufe 1 der Studie umfasste eine Konzeptstudie für alle Hangars. Dazu zählte neben der Untersuchung verschiedener Ertüchtigungs- und Nutzungsszenarien auch eine erste Lebenszyklusanalyse. Die Stufe 2 beinhaltet die Erstellung eines Sanierungskonzepts, beispielhaft für Hangar 4, mit der Vertiefung der Nutzungsszenarien unter Berücksichtigung bauphysikalischer Messdaten und raumklimatischer Simulationen sowie der Ermittlung von Kosten. Die Stufe 2 wurde 2025 abgeschlossen. Die Erkenntnisse dieser Studie fließen in die Bearbeitungen zum Entwicklungskonzept im Workshop 4 im dritten Quartal 2026 ein. Anschließend wird die Bearbeitung der Stufe 3 der Studie, die Erstellung eines konkreten Bedarfsprogramms, beauftragt. 

Lydia Ramakers, Architektin im Team Projektentwicklung Liegenschaft, berichtet hier, wie die Studie aufgesetzt wurde, was sie bisher gezeigt hat und wie es 2025 weitergeht.

Das Denkmal gestalten

Seit 2022 organisiert die Tempelhof Projekt GmbH in der THFxDenkmalwerkstatt regelmäßig Expert Meetings, bei denen Fachleute aus unterschiedlichen Disziplinen zusammenkommen, um fortlaufend an Visionen und Konzepten zur Entwicklung des Flughafens zu arbeiten.

Die fünfte THFxDenkmalwerkstatt fand am 8. und 9. Oktober 2025 statt und widmete sich der Frage, welche Rolle Reparatur im Umgang mit dem Flughafen Tempelhof und im weiteren gesellschaftlichen Kontext spielt. Reparatur wurde dabei nicht nur als technische Notwendigkeit, sondern als kulturelle Haltung verstanden, die unsere Beziehung zu Geschichte, Ressourcen und Zukunftsfähigkeit neu definiert.

Den Auftakt bildete ein Parcours durch aktuelle Projekte und Forschungsansätze am Flughafen, bevor in vier thematischen Panels – Stein und Kunststein, Zeichen und Signale, Massive Mischung und Prozesse und Kooperationen – zentrale Aspekte des Erhalts und der Transformation diskutiert wurden. Fachleute aus Architektur, Ingenieurwesen, Denkmalpflege und Stadtentwicklung entwickelten gemeinsam Perspektiven für eine Baupraxis, die Reparatur als Motor für Innovation versteht. 

Die Denkmalwerkstatt wurde erneut zu einem vielstimmigen Diskursraum über die Zukunft des Bauens im Bestand. Dabei soll Reparatur als Leitmotiv einer verantwortungsvollen, zukunftsgerichteten Baukultur verankert werden. 

Die nächste THFxDenkmalwerkstatt ist für das erste Quartal 2027 geplant.

Eine Nachhaltigkeitsstrategie für die Liegenschaft

Die im Juli 2025 begonnene und im Entwicklungskonzept als übergeordnetes Querschnittsthema mit verortete Nachhaltigkeitsstrategie der Liegenschaft konnte zum Jahresende 2025 abgeschlossen werden. Ziel der Nachhaltigkeitsstrategie ist es, bestehende Aktivitäten zu bündeln, strategisch zu priorisieren und verbindlich in Projekt-, Investitions- und Betriebsentscheidungen zu integrieren. Sie stellt kein separates Nachhaltigkeitsprogramm, sondern ein Steuerungsinstrument für die Entwicklung der Liegenschaft im Spannungsfeld von Denkmalschutz, Klimaschutz, Wirtschaftlichkeit und gesellschaftlichem Auftrag dar.

Aufbauend auf der im Prozess abgestimmten Zielrichtung, den Erfahrungen aus dem Betrieb sowie den Kenntnissen aus verschiedenen Studien und Projekten – wie Technische Infrastruktur 2030, der Ökobilanzierung des stadtseitigen Bauteils G2 sowie der Sanierungsstudie zur Hangarhüllenertüchtigung – wurden im Jahr 2025 den fünf Handlungsfeldern Maßnahmen zugeordnet:

  1. Klimaschutz und Energie
  2. Ressourcenschonung und Zirkularität
  3. Biodiversität und Mikroklima
  4. Wohlbefinden und Zugänglichkeit
  5. Gesellschaftlicher Mehrwert und soziale Teilhabe 

Diese Handlungsfelder wurden wirtschaftlich bewertet, priorisiert und in operatives Handeln übersetzt. 

Die Ergebnisse finden in der Erarbeitung des Entwicklungskonzeptes sowie in der Erarbeitung einer Nachhaltigkeitsstrategie für die Gesellschaft Anwendung. Zudem wurden erste Maßnahmen festgelegt, die 2026 konkret angestoßen werden.

Lasst uns auf das Feld schauen

2024 startete die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen den Dialogprozess zur Zukunft des Tempelhofer Feldes. Die Tempelhof Projekt GmbH unterstützte den Prozess maßgeblich. Sie übernahm im Auftrag der Senatsverwaltung unter anderem das Veranstaltungsmanagement inklusive der Flächenbereitstellung, alle Vergabeprozesse sowie zum großen Teil die Steuerung und das Controlling der gebundenen Dienstleister.

Der Dialogprozess bestand aus mehreren Dialogwerkstätten und einem internationalen Ideenwettbewerb. Nach der Auftaktveranstaltung im Juli 2024 und den zwei ersten Dialogwerkstätten im September 2024 startete der internationalen Ideenwettbewerb im November 2024, in dem die teilnehmenden Stadtplanungs-, Architektur- und Landschaftsarchitektur-Büros Vorschläge für das Tempelhofer Feld erarbeiten.

Im Juni 2025 wählte ein Preisgericht, das sowohl aus Expert:innen als auch aus Bürgervertreter:innen bestand, die besten sechs Entwürfe aus, die einen Beitrag zur stadtweiten Diskussion über die Zukunft des Tempelhofer Feldes leisteten. Anschließend wurden die Ergebnisse im Juli 2025 in einer dritten und letzten Dialogwerkstatt den Teilnehmenden vorgestellt und diskutiert. Ziel war, dass sich die Teilnehmenden mit den Entwürfen der Preisgruppe auseinandersetzten und Impulse geben konnten, wie die zukünftige öffentliche Debatte über das Tempelhofer Feld und mögliche weitere Dialogprozesse gestaltet werden können. Ebenso wurde Feedback zum Verlauf des bisherigen Dialogprozesses eingeholt.

Zum Abschluss des Dialogprozesses zeigte im September 2025 eine Ausstellung den Berliner:innen alle eingereichten 164 Entwürfe des internationalen stadt- und freiraumplanerischen Ideenwettbewerbs. Die Vorschläge reichten von programmatischen Ansätzen über konkrete und umsetzbare Konzepte bis hin zu Entwürfen, die weit über die Aufgabenstellung hinausgingen