THF entwickeln
Inhalt
- Das Entwicklungskonzept
- Das Sanierungskonzept
- Die Technische Infrastruktur 2030
- Eine Machbarkeitsstudie zur Sanierung der Hangarhüllen
- Eine Studie zur nachhaltigen Sanierung von Bauteil G2
- Mit dem Denkmal arbeiten
- Kooperative Entwicklungen und Beteiligungen
- Das Torhaus: Gemeinsam für einen nachhaltigen THF
- Floating University: Natur-Kultur-Lernort trifft auf technische Infrastruktur
- Praxislabor Kopfbau Ost
- Lasst uns auf das Feld schauen
Die Tempelhof Projekt GmbH arbeitet kontinuierlich daran, das größte Baudenkmal Europas als Leuchtturmprojekt zu entwickeln und diesen einzigartigen Standort zu einem offenen, vielfältigen, nachhaltigen und resilienten Ort für die Stadt Berlin zu machen. Dabei geht es darum, die Bedarfe der Liegenschaft selbst wie auch die der Stadtgesellschaft, der angrenzenden Stadträume und der umliegenden Kieze abzubilden sowie Themen der Nachhaltigkeit und des Denkmalschutzes miteinander in Einklang zu bringen. In der Entwicklung verfolgt die THP das Ziel, ein Gesamtkonzept zur Sanierung der einzelnen Gebäudeteile, eine Integration im städtebaulichen Kontext sowie eine nachhaltige Versorgungsinfrastruktur zu definieren. Die drei Projekte hierbei sind das Entwicklungskonzept, das Sanierungskonzept und die Technische Infrastruktur 2030. Sie sind inhaltlich eng miteinander verwoben und bedingen einander.
Die kooperative Entwicklung, also das gemeinsame Umsetzen von Projekten mit Teilen der Stadtgesellschaft, ist der Tempelhof Projekt GmbH ein wichtiges Anliegen. Der THF als markanter Ort im Herzen der Stadt soll auch von Berlinerinnen und Berlinern mitgestaltet werden.
Das Entwicklungskonzept
Das Entwicklungskonzept ist neben dem Sanierungskonzept und der Technischen Infrastruktur 2030 ein zentraler Baustein der THF-Planung. Es bildet den strukturierten Rahmen für die Entwicklung der Liegenschaft. Hier werden Themen wie Nachhaltigkeit, Denkmalschutz, Verkehr, Logistik und Mobilität, Außenraum und Place-Making sowie Erschließung und technische Infrastruktur betrachtet. Dabei geht es nicht nur um die Verzahnung aller relevanten Fachbereiche und die Berücksichtigung verschiedener Maßstäbe von der Stadtentwicklung bis zur architektonischen Befassung, sondern auch um konkrete kurz-, mittel- und langfristige Maßnahmen, deren Priorisierung und klar definierte Schritte für die Umsetzung. Berücksichtigt wird dabei auch die nötige Flexibilität für mögliche zukünftige Bedarfsanpassungen am THF.
Wie diese „Roadmap“ entsteht, wer daran mitwirkt und wie das Ergebnis aussieht, erklärt Ihnen Edith Wunsch, Leiterin des Geschäftsfelds Liegenschaft.
Das Sanierungskonzept
Das Sanierungskonzept als weiterer Baustein der THF-Planung befasst sich mit der Sanierung der Gebäude auf der Liegenschaft und legt bauliche Standards fest. Das Ziel des Konzeptes ist ein Handbuch für die Sanierung der Bestandsgebäude. Hauptthemen des Sanierungskonzeptes sind unter anderem der Brandschutz und der Bestandsschutz, die Definition von Gebäudetypen, Bauteil- und Baustandards sowie die Initiierung und Durchführung von Pilotprojekten und Testbereichen. Dabei spielt ein interdisziplinärer Planungsansatz eine wesentliche Rolle: Im Projektaufsatz wurde die Lebenszyklusanalyse als Entwurfsmittel und Bewertungssystem von Variantenbetrachtungen eingeführt, um bauliche Maßnahmen mit einem späteren Betrieb abzuwägen. Ziel ist es, so die auf die Bestandsstruktur am besten passende Ertüchtigungsvariante zu ermitteln.
Der Projektaufsatz erfolgte im dritten Quartal 2024 und basiert auf vorlaufenden Gebäude-Machbarkeitsstudien.
Die Technische Infrastruktur 2030
Dritter und am weitesten fortgeschrittener Baustein der THF-Planung ist das Projekt „TI 2030“. Mit ihm hat das Flughafengebäude die Möglichkeit, in den nächsten Jahren schrittweise nahezu klimaneutral zu werden. Dafür ist eine komplette Erneuerung der überwiegend fast hundertjährigen technischen Infrastruktur im und am Gebäude notwendig, sprich die Sanierung aller technischen Anlagen für die Wärme- und Kälteversorgung, Lüftung, Stromversorgung, Telekommunikation sowie die Regenwassernutzung.
Teilprojekte sind dabei die stoffliche Ver- und Entsorgung, also beispielsweise eine Versickerung statt der Ableitung von Regenwasser, die energetische Versorgung, etwa die Stromerzeugung mittels Photovoltaik oder der Heizungsbetrieb aus der Rückgewinnung der im Abwasser enthaltenen Abwärme, sowie die Herstellung einer modernen Technik für IT und Kommunikation bis hin zur Gebäudeautomation.
Die Erstellung und Prüfung des Bedarfsprogramms sowie die Grundlagenermittlung sind abgeschlossen. 2023 erfolgte die Bestätigung der baufachlichen Voraussetzungen, sodass 2024 die Entwurfsplanung beginnen konnte. Das Ziel ist die Erstellung einer ganzheitlichen Bauplanungsunterlage (BPU), die voraussichtlich Ende 2025 zur Prüfung eingereicht wird.
Eine Machbarkeitsstudie zur Sanierung der Hangarhüllen
Die sieben Hangars sowie die zugehörigen Bauteile bilden das Rückgrat des Flughafengebäudes. Doch auch sie sind sanierungsbedürftig. 2024 startete die Tempelhof Projekt GmbH eine Machbarkeitsstudie für die Sanierung der Hangarhüllen. Ziel der Studie ist es, Nutzungsszenarien für die Hangars und deren Bedarfe zu ermitteln, ein Sanierungskonzept unter der Berücksichtigung von Klimaschutz, Nachhaltigkeit, Denkmalschutz und Wirtschaftlichkeit zu erstellen, die Kosten der Instandsetzung und Sanierung zu ermitteln, sowie auch konkrete Maßnahmenpakete und weitere Schritte zu erarbeiten.
- Stufe 1 der Studie umfasste eine Konzeptstudie für alle Hangars. Dazu zählte neben der Untersuchung verschiedener Ertüchtigungs- und Nutzungsszenarien auch eine erste Lebenszyklusanalyse.
- In Stufe 2 folgte die Erarbeitung eines Sanierungskonzepts beispielhaft für Hangar 4 mit der Vertiefung der Nutzungsszenarien unter Berücksichtigung bauphysikalischer Messdaten und raumklimatischer Simulationen sowie der Ermittlung von Kosten.
- Stufe 3 der Studie, welche mit einer konkreten Erarbeitung eines Bedarfsprogramms einher geht, wird Anfang 2026 abgeschlossen sein.
Lydia Ramakers, Architektin im Team Projektentwicklung Liegenschaft, berichtet hier, wie die Studie aufgesetzt wurde, was sie bisher gezeigt hat und wie es 2025 weitergeht.
Eine Studie zur nachhaltigen Sanierung von Bauteil G2
Die Sanierung von Büro- und Verwaltungsbauten am THF stellt eine immense Herausforderung dar. Erklärtes Ziel der Tempelhof Projekt GmbH ist es, weitere Flächen wieder in Nutzung zu bringen. Um zu zeigen, wie dies mit möglichst geringem Aufwand und beschränktem Budget zeitnah funktionieren kann, hat die Tempelhof Projekt GmbH eine Studie in Auftrag gegeben, die dies an einem stadtseitigen Bauteil exemplarisch aufzeigen soll.
Zentraler Punkt ist dabei die Berücksichtigung nachhaltiger Aspekte. Anhand des Bauteils G2 am Ehrenhof erfolgten 2024 entsprechende Untersuchungen, um prototypische Standards zu einer ressourcenschonenden und budgetoptimierten Sanierung zu definieren.
Betrachtet wurde unter anderem, wie die Gebäudehülle des Bürobaus energetisch ertüchtigt werden kann – denkmalgerecht, ökologisch, ressourcen- und kostenschonend, emissionsarm und unter Einbeziehung von Baumaterialien, die eine Nutzungsdauer des Gebäudes von 50 Jahren gewährleisten. Zuerst wurde dafür die gebundene graue Energie im Bestand berechnet. Anschließend erfolgte die Betrachtung verschiedener Varianten: Wie kann der ökologische Fußabdruck wie auch der finanzielle Aufwand einer Baumaßnahme bei der Umnutzung eines Bestandsbaus durch eine möglichst behutsame Anpassung der Bausubstanz reduziert werden, während parallel die Verbesserung von derzeit unsanierten Flächen zu einer möglichen Wiedervermietung führt?
Edith Wunsch, Leiterin des Geschäftsfelds Liegenschaft, hat die Antwort auf diese spannende Frage und erklärt, was die Ergebnisse der Studie für den THF bedeuten.
Mit dem Denkmal arbeiten
Seit 2022 organisiert die Tempelhof Projekt GmbH in der THFxDenkmalwerkstatt regelmäßig Expert Meetings, bei denen Fachleute aus unterschiedlichen Disziplinen zusammenkommen, um fortlaufend an Visionen und Konzepten zur Entwicklung des Flughafens zu arbeiten.
Das vierte und jüngste Expert Meeting vom Juni 2024 widmete sich dem Thema „Konstruktionen der Hochmoderne: Reparatur und Ertüchtigung“. Hierbei standen nicht nur die Erhaltung und nachhaltige Nutzung moderner Bauwerke im Mittelpunkt, sondern auch die Notwendigkeit, bestehende Normen und Regularien flexibel für historische und Bestandsbauten anzupassen. Die Veranstaltung verdeutlichte, wie wichtig interdisziplinäre Zusammenarbeit ist – Experten aus den Bereichen Ingenieurwesen, Architektur, Technikgeschichte und Denkmalpflege diskutierten innovative Ansätze, um ein Umdenken in Reparatur- und Wartungsstrategien zu bewirken.
Die fünfte THFxDenkmalwerkstatt steht im Oktober 2025 auf dem Programm und wird sich dann den Themen Materialien, Techniken und Prozessen im Industriedenkmal widmen.
Kooperative Entwicklungen und Beteiligungen
Berlinerinnen und Berliner sind eingeladen, ihre Stadt aktiv mitzugestalten – auch am Flughafen Tempelhof. Dafür hat sich die Tempelhof Projekt GmbH Kooperationspartner:innen gesucht. Die Pilotprojekte mit dem Torhaus Berlin e.V. im alten Pförtnerhäuschen am Columbiadamm und der Floating am Rückhaltebecken für Regenwasser haben sich als Reallabore für die Zusammenarbeit mit der Zivilgesellschaft bewährt. Neu hinzugekommen ist 2024 das Praxislabor Kopfbau Ost, eine Kooperation mit institutionellen, akademischen und privatwirtschaftlichen Partner:innen für eine Pionierentwicklung des Kopfbaus.
Das Torhaus: Gemeinsam für einen nachhaltigen THF
Das ehemalige Pförtnerhäuschen am Eingang zum Flughafengelände am Columbiadamm erstrahlt in neuem Glanz. Die 2022 begonnene energetische Sanierung des historischen, 52 Quadratmeter großen Torhauses, wurde 2024 fertiggestellt. Dabei oblag die durch das Berliner Programm für Nachhaltige Entwicklung (BENE) geförderte energetische Innensanierung dem Torhaus e.V., die Sanierung von Dach und Fassade sowie die Anschlüsse mit den notwendigen Medien lag bei der Tempelhof Projekt GmbH.
Im Juli wurde das Torhaus feierlich eröffnet und ist nun ein multifunktionaler Begegnungsort, an dem kulturelle Veranstaltungen, Workshops, Kunstausstellungen und soziale Projekte stattfinden. Hier ist auch das THF Radio beheimatet, ein selbstorganisiertes non-profit Community-Radio. Als letzte Maßnahme der Fassadensanierung wurde im Herbst 2024 der historische Schriftzug „United States Air Force – Tempelhof Central Airport“, der nur noch als Schattierung erkennbar war, denkmalgerecht wiederhergestellt und begrüßt nun die Gäste des THF.
Floating University: Natur-Kultur-Lernort trifft auf technische Infrastruktur
Seit 2018 bietet die Floating University im Regenwasser-Rückhaltebecken am Columbiadamm ihren Besucher:innen ein abwechslungsreiches Programm. Zeitgleich ist das Becken ein originärer Teil der Flughafeninfrastruktur mit dem Zweck, das Regenwasser vom Flughafengelände und den benachbarten Straßen zu sammeln und in den Landwehrkanal abzuleiten. Im Rahmen des Projektes Technische Infrastruktur 2030 soll das Becken im Sinne der Schwammstadt in ein Versickerungsbecken umgebaut werden.
2023 fanden Gespräche zwischen dem Floating e. V., der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen und der Tempelhof Projekt GmbH mit dem Ziel statt, eine gemeinsame Absichtserklärung in Form eines „Letter of Intent“ zu erarbeiten. Diese Erklärung formuliert das Einverständnis aller Parteien, das Regenwasser-Rückhaltebecken in einen Ort zu transformieren, der die notwendige Funktionstüchtigkeit der technischen Anlage mit dem vielfältigen Lern- und Kulturort vereint und miteinander weiterentwickelt. Der LOI wurde im Januar 2024 unterzeichnet und stellt den Auftakt für ein Stadtentwicklungsprojekt mit Vorzeigecharakter dar, dass die Spielräume für Nutzungen und nachhaltiges Denken neu auslotet. Die geplante Transformation beeinträchtigt dabei nicht die Funktionstüchtigkeit des Beckens als notwendige Infrastruktur für den Flughafen Tempelhof.
Praxislabor Kopfbau Ost
In einer Kooperation mit der Technischen Universität Berlin startete die Tempelhof Projekt GmbH im Wintersemester 2024/2025 mit Studierenden des Fachbereichs Historische Bauforschung und Denkmalpflege sowie des Natural Building Labs ein Projekt, in dem Ideen erarbeitet wurden, wie der markante Kopfbau Ost zukunftsfähig entwickelt werden kann. Die Sanierung und Umnutzung dieses komplexen Bauwerks unter Berücksichtigung des Klimanotstands, des Denkmalschutzes und der stadtpolitischen Rahmenbedingungen ist eine immense Herausforderung.
Im Masterstudio „Strategien der Transformation” wurden zunächst Expert:innengruppen gebildet, die sich dem Kopfbau Ost aus unterschiedlichen Perspektiven annäherten und ihre Erkenntnisse in einem Mapping erfassten. Dieses bildete die Grundlage für erste Nutzungsideen, die im Laufe des Semesters weiterentwickelt wurden. Im Februar 2025 fand die Abschlusspräsentation des Seminars im Besucherzentrum CHECK-IN statt. Die Studierende zeigten hier ihre beeindruckenden Ideen. Aufgrund fehlender Fördergelder konnte das Kooperationsprojekt Praxislabor Kopfbau Ost leider nicht fortgeführt werden.
Lasst uns auf das Feld schauen
2024 startete die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen den Dialogprozess zur Zukunft des Tempelhofer Feldes, wobei die Tempelhof Projekt GmbH sie maßgeblich unterstützt. Sie übernimmt im Auftrag der Senatsverwaltung unter anderem das Veranstaltungsmanagement inklusive der Flächenbereitstellung, alle Vergabeprozesse sowie die Steuerung und das Controlling der gebundenen Dienstleister.
Der Dialogprozess besteht aus mehreren Dialogwerkstätten und einem internationalen Ideenwettbewerb. Nach der Auftaktveranstaltung im Juli 2024 folgten an zwei Wochenenden im September 2024 die ersten zwei Dialogwerkstätten. Hier beschäftigten sich bis zu 275 ausgewählte Berliner:innen intensiv mit dem Tempelhofer Feld und bekamen Fachwissen zu Themen wie Stadtentwicklung und Wohnungsbau, Klima- und Naturschutz, Gemeinwohl und Freiräume vermittelt. Ziel war es, unterschiedliche Perspektiven für die Zukunft breit und offen zu diskutieren und gemeinsam Empfehlungen zu entwickeln. Diese flossen in den anschließenden internationalen Ideenwettbewerb ein, der im November 2024 startete und in dem die teilnehmenden Stadtplanungs-, Architektur- und Landschaftsarchitektur-Büros Vorschläge für das Tempelhofer Feld erarbeiten.
Im Juni 2025 wird ein Preisgericht, das sowohl aus Expert:innen als auch aus Bürgervertreter:innen besteht, die besten fünf Entwürfe auswählen, die einen Beitrag zur stadtweiten Diskussion über die Zukunft des Tempelhofer Feldes leisten. Anschließend werden die Ergebnisse im Juli 2025 in einer dritten Dialogwerkstatt den Teilnehmenden vorgestellt und diskutiert und im September 2025 allen Berliner:innen in einer Ausstellung am Flughafen mit Blick auf das Feld präsentiert.